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Ortseingangsschilder von Lüderbach

Lüderbacher Dorfgeschichte

Die Gegenwart und ein Blick in die Zukunft

 

Die Teilnahme am Dorferneuerungskonzept des Landes Hessen

und am Dorf - Wettbewerb “ Unser Dorf hat Zukunft ”,

zeugen vom Willen, unser Dorf erfolgreich in die Zukunft zu führen.

In Lüderbach leben zur Zeit 167 * Einwohner.

Unser Ort gehört seit der Gebietsreform

 zur damals neu gegründeten Gemeinde Ringgau (37296) im Werra - Meissner - Kreis in Nordhessen, ziemlich genau in der Mitte Deutschlands. Der Name Ringgau ist keine eigentliche Ortsbezeichnung, sondern eine Gebietsbezeichnung und der Name unserer Großgemeinde,

    man spricht deshalb auch - der Ringgau, oder von - dem Ringgau!

Die Gemeindeverwaltung der Gemeinde Ringgau mit Standesamt und Ortsgericht befindet sich im Ortsteil Netra, hier bestehen Einkaufsmöglichkeiten, zwei praktische Ärzte, die Ringgau - Apotheke, die Kindertagesstätte und zwei Banken sind ansässig.

Die weiteren Ortsteile neben Lüderbach und Netra sind Datterode(weiterer Kindergarten), Röhrda(hier gibt´s einen weiteren Arzt), Grandenborn, Renda und Rittmannshausen.

 

 Zur Kreisstadt Eschwege und ins benachbarte thüringische Eisenach sind es fast gleiche 23 Kilometer.

In der thüringischen Nachbarschaft findet man WolfmannsgehauIfta, und Creuzburg.

 Wir sind ein landwirtschaftlich geprägtes Ringdorf oder auch Haufendorf, eingebettet in die sanfte Hügellandschaft Nord - Ost - Hessens. Der Lüderbach fliesst mitten durch den Ort. Eine Ringstraße mit kleinen Nebenstrassen erschliessen unser Dorf. Die Bundesstrasse 7, auch Lange Hessen genannt, liegt einen Kilometer abseits.

Ein Dorfzentrum gibt es, wenn überhaupt, nur um die Kirche herum. Hier liegen das ehemaliges Pfarrhaus, der Anger, das evangelische Dorfgemeinschaftshaus (hier stand früher die ganz alte Schule mit dem Lehrerwohnhaus), das Schloß, der damals schloßeigene Weinkeller und die zum Schloß gehörige Schäferei.

Ein neues multifunktionales Zentrum ist derzeit auf dem Gelände der ehemaligen Schule entstanden,

in der Altefelder Straße 3, oberhalb der Bushaltestelle

(siehe auch unter “ Dorferneuerung “).

Einkaufsmöglichkeiten gibt es bei den 4 landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben, den 

 4 landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben,

 4 gewerblich - handwerklichen Betrieben

und den 3 Handwerksmeister - geführten - Betrieben (siehe auch unter “Gewerbe”).

Weitere Einkaufsmöglichkeiten bestehen ausserdem bei den fahrenden Geschäften wie Bäcker, Lebensmittelhändler und Fleischer, sowie im ortsansässigen Getränkehandel.

Ein Dorf also, wo es sich leben läßt.

* Stand: März 2011

 

Lüderbacher Vergangenheit

Lüderbacher Dorfgeschichte (© Aus der Zusammenstellung von Manfred Adam der Ortschronik “800 Jahre Lüderbach”)

Der heutige Ortsname Lüderbach ist eine Abwandlung des mittelalterlichen Namens "Luderbeche". Der erste Teil des Namens "Luder" könnte aus dem althochdeutschen Wort "Lutar", oder aus dem mittelhochdeutschem Wort "Luter", was soviel wie hell, klar oder rein heißt, entstammen. Der zweite Teil des Ortsnamens - nämlich "beche" - bedeutet unstrittig"Bach". Der gleichnamige, mittig durch`s Dorf fließende Bach hat demnach für den Ortsnamen Pate gestanden. Sein Wasser fiel gegenüber dem anderer Bäche durch seine Reinheit und Klarheit auf. Somit der Name "heller, klarer oder reiner Bach", was soviel bedeutet wie Lüderbach.
 


Der Ort selbst liegt geographisch im sogenannten "Netra-Ifta Graben", auf ca. 280 m Höhe. Dieser Graben ist ein Taleinbruch, zwischen der Graburg im Norden (ca. 515 m) und dem Ringgauplatteau (ca. 440 m). Durchzogen wird das Tal von der jetzigen Bundesstraße 7 (ehemals Reichs- und Handelsstraße, auch "Lange Hessen" genannt), die von Westen, aus Richtung Kassel kommend, nach Thüringen führt.

Nun zum eigentlichen Dorf Lüderbach:

Die erste Erwähnung von Lüderbach findet sich in einer Urkunde Papst Coelestins III. vom 20. Dezember 1195.

Mit dieser Urkunde bestätigte der Papst dem Kloster Germerode seinen gesamten Güterbesitz, u.a. auch in dem Dorf "Luderbeche".

Nachfolgend einige weitere Stationen aus der Frühgeschichte des Ortes:

1329: Ludwig von Boyneburg als Lehnsmann des Abtes zu Hersfeld belehnt Augustiner von Eschwege mit Gütern in Lüderbach.
1344: Der Rat von Eschwege entscheidet, daß die Güter nicht den Boyneburgern, sondern Helbricus von Salzungen gehören.
1360: Lutz von Nesselröden verkauft den Zehnten von 25 Hufen in Lüderbach an das Kloster Germerode.
1437: Das Kloster Eschwege besitzt in Lüderbach mehrere Güter.

Ein Teil des Besitzes kam 1445 über das Augustinerkloster in Eschwege an das Geschlecht der Treusche von Buttlar zu deren Amt Brandenfels.
Diese ließen zwischen 1400 und 1500 das Lüderbacher Schloß mit angegliedertem Rittergut erbauen.
Im Jahre 1619 verkauften sie das Schloß an die Herren Reinhard Scheffer der Jüngere(der war Kanzler beim Landgrafen von Kassel) und dessen Bruder Heinrich Ludwig, der war Kammermeister und Obervorsteher der Hohen Hospitäler in Haina und Merxhausen. Die Tochter von Heinrich heiratete 1622 Johann Wilhelm von Capella(n)und
dieser erhielt einen Teil des Rittersitzes als Morgengabe.
Den Rest des Schloßgutes erwarb er 1627. Johann Wilhelm von Capella(n) war aus Glaubensgründen - er hatte sich reformieren lassen - von Oberösterreich nach Preußen emigriert.
Das Adelsgeschlecht derer von Capella(n) verwaltete den Ort Lüderbach etwa 160 Jahre lang (bis 1779). Die Mutter des letzten Vertreters derer von Capella(n) hatte sich in Lüderbach als Wohltäterin einen Namen gemacht. Sie stiftete ein sogenanntes "Legatum" und ließ aus dessen Zinsen alljährlich zu Weihnachten die Armen des Dorfes bescheren. Nach ihrem Tod wurde die Verteilung durch ein Consilium (bestehend aus einem Legatsverwalter, einem Richter und einem ortsfremden Pfarrer) weitergeführt.
Erst nach der Inflation 1923 endete der mildtätige Brauch.
Der letzte Vertreter des Geschlechts war Adam Friedrich von Capella(n), ein geheimer Kriegsrat in den Diensten des Landgrafen Friedrich II. von Hessen. Da er unverheiratet und kinderlos war, starb am 25. Juli 1779 mit ihm das Geschlecht derer von Capella(n) aus.
Adam Friedrich von Capella(n) wurde mit seiner Schwester Frederike von Cornberg in der - vor dem Dorf auf einem Hügel (dem sogenannten Kirchberg) liegenden - Grabpyramide beigesetzt. Seine Schwester war bereits am 25.1.1776 im Witwenhaus von Lüderbach gestorben.

Nach dem Tode des letzten derer von Capella(n) ging das Schloß in den Besitz des Landgrafen von Hessen-Barchfeld-Philippsthal über (Sitz in Herleshausen).
Nach dem 1. Weltkrieg kaufte es ein Hauptmann Koch, danach die Gemeinde Lüderbach und die Raiffeisenkasse Lüderbach je zur Hälfte.
Das Schloß wurde im Jahre 1980 von der Familie Schalles aus Kassel gekauft und danach grundlegend restauriert.

Lüderbach war bis zum Ende des 2. Weltkrieges mehr nach Thüringen hin ausgerichtet.
Die meisten Arbeiter fanden damals Beschäftigung in Eisenach und Umgebung.

Nach dem II. Weltkrieg mußte man sich zwangsläufig nach Westen hin umorientieren. Manch einer mußte bis nach Frankfurt zur Arbeit und kam nur zu den Wochenenden nach Hause. 
Die Gemarkung Lüderbachs reichte bis zur Grenzöffnung am 18. November 1989 direkt bis zum ehemaligen "Todesstreifen" der innerdeutschen Grenze.
Damals lagen wir absolut und in jeder Beziehung "am Rand" der Bundesrepublik; heute liegen wir fast genau in der Mitte Deutschlands und es gibt auch endlich wieder mehr Arbeitsstellen im Ort.
Hier noch weitere ergänzende Geschichte.


©Textzusammenstellung: G. Meister und R. Methe ©Fotos: R. Methe

Auszüge aus der Ortschronik “800 Jahre Lüderbach” von Manfred Adam, 1995